Gebäude

Entstehung*

Am 2. Dezember 1899 verfügte der Magistrat der Stadt Wiesbaden die Verlegung der städtischen Kurhausgärtnerei von der Viktoriastrasse zu dem städtischen Grundstück im Distrikt Aukamm in der Gemarkung Bierstadt. Die Gärtnerei wurde von der Stadt gemeinsam mit der Firma Gebrüder Siesmayer in Frankfurt-Bockenheim betrieben, die gemeinsam die Unterhaltungsarbeiten für die Kuranlagen leisteten. Durch den Umzug in das Aukammtal hatte man einen Standort gefunden, der zwar außerhalb der Stadt lag, jedoch für Siesmayer nicht zu weit vom Kurpark entfernt war.

Am 13. September 1901 wurde das zweite, kleinere Bauprogramm für die Bausumme in Höhe von 75.000 Mark von der Stadtverordnetenversammlung genehmigt. Das Stadtbauamt begann daraufhin mit der Ausarbeitung der Ausführungspläne, so dass bereits im November 1901 der Baubeginn war. Im Sommer 1902 wurde die Gärtnereianlage an die Kurverwaltung übergeben. Das markanteste Gebäude der Anlage ist die Orangerie. Historische Bauakten und Pläne scheinen heute keine mehr erhalten geblieben zu sein. Die verwendeten Baumaterialien und der Baustil der Orangerie verweisen auf den Wiesbadener Baumeister Felix August Helfgott Genzmer.

Beschreibung*

Die Orangerie wurde als freistehender Backsteinbau mit Giebelsichtfachwerk im Stil der englischen Landhäuser entworfen. Die Fassade war größtenteils mit rotem Backstein und hellen Putzpartien verblendet, ein Krüppelwalmdach mit fünf Zwerchgiebeln auf der repräsentativen Südseite hatte entscheidenden Anteil an dem pittoresken Erscheinungsbild dieses bedeutendsten Baus der ehemaligen Kurhausgärtnerei.

Mit der Orangerie wurde der bedeutendste Bau der Gärtnerei im Aukammtal erhalten. Die Architektur wurde der landschaftlichen Umgebung angepasst. Die Orangerie ist in freier Lage errichtet und mit der Seite, die den höchsten Fensterteil aufweist, nach Süden ausgerichtet. Felix Genzmer konzipierte die Orangerie in Massiv-Fachwerkbauweise. Der hohe Fensteranteil auf der Südseite und die Vorteile der Mischbauweise verhalfen dem ursprünglichen Gebäude zu einem ausgeglichenen Klima und zu einem geringen Heizungsaufwand.

Heute

Das sehr mutige Konzept der DBS gGmbH führte bereits dazu, dass das durch die Jahre gezeichnete historische Gebäude der Orangerie freigelegt und von Grund auf liebevoll restauriert wurde. Als Zeuge des Historismus in Wiesbaden soll ihm zu neuem Glanz verholfen werden. Es soll der Bevölkerung zugänglich und für kulturelle Veranstaltungen genutzt werden.


*Quelle: Peter Schwabe, FELIX GENZMER Architekt des Späthistorismus in Wiesbaden, Wiesbaden 1997